Warum sind Münzen eigentlich rund?

Warum sind Münzen eigentlich rund?

Um eine Antwort auf die Frage zu finden, muss man sich verschiedene Aspekte einmal genauer ansehen. Kurzum kann man jedenfalls sagen, dass sich die Runde Münzform gegenüber der Vier- oder Achteckigen Form aufgrund gewisser Vorteile durchgesetzt hat.

 

Herstellung Runder Münzen

Wollen wir zunächst einmal auf den Herstellungsprozess eingehen. Denn bevor eine Münze geprägt werden kann, muss erst einmal der Münzrohling hergestellt werden. Dieser Rohling wird übrigens in der Fachsprache auch „Schrötling“ oder „Ronde“ genannt.



Runder Schrötling

Obwohl die Herstellung eines runden Schrötlings viel aufwendiger ist, wurden in der Antike keine Mühen davor gescheut. Ferner denkt man mal ins Mittelalter zurück. Dort musste der Münzmeister aus dünnen Silberblechstreifen runde Münzrohlinge ausschneiden.

Da alles Handarbeit war, ist der Rohling auch nicht immer Kreisrund gewesen.

Ein weiterer negativer Punkt runder Schrötlinge sind die ganzen Reste, wo vom Schneiden übrig bleiben. Obwohl man diese zwar wieder mit einschmelzen konnte, bedeutete jenes aber auch mehr Arbeit.

Viereckiger Schrötling

Viereckige Münzrohlinge kann man dagegen ohne viele Schnitte und Überbleibsel aus langen Metallstreifen recht einfach erzeugen.

Jetzt kann man sich zu Recht fragen, warum sich die Runde Münzform trotzdem durchgesetzt hat? Deswegen werfen wir mal einen Blick auf den nächsten Prozess: Das Prägen.

 

Das Prägen von Münzen

Abgesehen von der Aufwendigen Herstellung des Rohlings erweist nun die runde Form gewisse Vorzüge. Denn beim Prägen selbst, mit Hammer und Stempel, muss der Münzmeister den Schrötling nicht jedes Mal neu ausrichten. Um dagegen eckige Münzen zu prägen, bräuchte man eine Führung oder einen Anschlag. Demzufolge wird hier wieder Zeit und Arbeit gut gemacht.

Dennoch ist dieser Pluspunkt nicht der Hauptgrund, warum sich die runde Münzform durchgesetzt hat. Denn dieses Beispiel bezieht sich auch nur auf das klassische  Prägeverfahren mit Hammer und Münzstempel. Sofern dieser z.B. im Mittelalter Gang und Gebe war.

Kraftverteilung beim Münzprägen

Dahingegen spielt die Kraftverteilung bei der Form schon eine wesentlichere Rolle. Genau genommen verteilt sich die Kraft auf einen runden Münzrohling viel besser und gleichmäßiger. Im Gegensatz dazu kann es bei einer eckigen Münze zu Ausbrüchen und ungleichmäßiger Prägetiefe kommen.

 

 

Motive, Ästhetik und künstlerische Gestaltung auf Münzen

Da die künstlerische Gestaltung eine sehr große Rolle auf Münzen einnimmt, wird diese wohl stark zur runden Form beigetragen haben. Folgend lassen sich Motive wie Portraits und Wappen viel besser in einen Kreis unterbringen als in einen Viereck. Übrigens hatte die Kreisform in der Antike, wie bei den Griechen, etwas Heiliges.

Ebenfalls waren die Römer Weltmeister in der Münzherstellung gewesen. Sie prägten nicht nur Geld in großen Mengen, sondern auch mit einer herausragenden Motivqualität. Um diese Abbildungen herum fand man schon damals einen Schriftzug. Demzufolge konnte man den Schriftzug auf einer runden Münze perfekt darstellen. Auch bei alten königlichen Siegeln hat sich die Runde form durchgesetzt. Denn wie soll man auch geschriebenes Wort, mit dem Motiv im Zentrum, bei einer eckigen Form vernünftig unterbringen?



Umlauf, Handel und Lagerung von Münzen

Nachdem sich nun die runde Form in Herstellung und Gestaltung als besser erwiesen hat, bringt sie auch im Umlauf entscheidende Vorteile mit sich. Kurzum sind runde Münzen viel besser händelbar. Denn sie können sich im Geld- oder Lederbeutel nicht verhaken. Über dem hinaus würden die Kanten eines eckigen Geldstücks die Hose oder den Geldbeutel kaputt machen.

Verletzungsgefahr

Hierdurch kristallisiert sich ein recht wichtiger Aspekt hinaus. Denn durch die scharfen Kanten besteht auch eine gewisse Verletzungsgefahr. Obendrein würde im täglichen Handel von Hand zu Hand die Ecken nur hinderlich sein.

Kraftfluss

Ungeachtet dessen entsteht an Kanten auch immer ein höherer Kraftfluss. Die Folge ist, dass Kanten einfacher ausbrechen können. Somit würde das Geld schneller kaputt gehen und entwertet werden. Denn gerade bei Gold- und Silbermünzen aus der Antike spiegelte der Materialwert auch deren Umlaufwert wieder.

Münzen Stapel Münzstapel
Zählmethode: Münzen stapeln

Münzen stapeln

Bereits im Altertum hat man gerne Münzen aufeinandergestapelt. Dieses Bild weckt bei vielen Assoziationen auf. Beispielsweise von alten Piratenfilmen in denen sich Münzstapel an Münzstapel reihte. Nun stellt man sich das ganze Mal mit eckigen Münzen vor. Diese würden sich gar nicht so schön aufreihen lassen wie runde Groschen oder Golddukaten. Ungeachtet dessen hatte das aufeinanderstapeln von Münzen einen wesentlichen Grund gehabt: Es diente nämlich als Zählmethode. Denn durch dieses einfache Vorgehen konnten größere Mengen Geld schnell und präzise ermittelt werden.

Münzen beschneiden

Ein weiterer Ansatz der für die Kreisform spricht besteht darin, dass es eher auffällt wenn ein Stück fehlt. Schließlich hatte man sich früher gerne an den reinen Materialwert bereichert. Angenommen man schneidet von einer eckigen Münze einen Streifen ab, so bliebe die Münze trotzdem noch eckig. Dem gegenüber fällt es bei einer runden Münze sofort auf wenn ein Stück fehlt.

 

 

Runde Münzen aus heutiger Sicht

Schon allein aus technischen Gründen spielt die runde Münzform heutzutage eine wesentliche Rolle. Man denke allein nur an die ganzen Park-, Fahrkarten- und Zigarettenautomaten. Denn bei der Bezahlung mit Hartgeld müssen die Münzen einfach Rollen können. Schließlich wird das Geld im Automaten nach sämtlichen Merkmalen überprüft. Dementsprechend muss sie sich durch den Automaten schnell und einfach bewegen können. Für eckige Münzen bräuchte man dagegen ein aufwendiges Band oder einen Roboterarm.

Ein weiterer automatisierter Prozess ist es, die Münzen in Rollen zu verpacken. Diese werden gerade an Kassen bereitgehalten, sollte das Wechselgeld zur Neige gehen. Somit ist das „Rollieren“ von Münzen aus technischer Sicht mit einer runden Geometrie besser umzusetzen.

 

Münzen waren nicht immer rund

Abgesehen davon, dass antike Geldstücke sowieso nicht perfekt Rund, sondern eher Eiförmig waren, gab es auch die eckige Form. Diese blieben jedoch die Ausnahme. Denn gerade in Notzeiten wurde bei der Herstellung von Münzen gern geschlampt. Beispielsweise gab es den sogenannten Klippen. Dieser wurde als Notgeld hergestellt. Unter Münzsammlern erfreut sich dieser, aufgrund seiner Seltenheit, großer Beliebtheit.

Viereckige Münze: 1 Heller
Viereckige Münze: 1 Heller

Aber auch Heller aus dem 18. Jahrhundert waren teilweise eckig. Blickt man noch genauer in die Geschichte der Menschheit zurück, finden sich noch einige Beispiele verschiedener Formen. Man denke hier nur mal an das chinesische Ringgeld.

 

Münzformen im Vergleich: Vor- und Nachteile

 

Runde form

+ Gute Handhabung

+ Bessere Kraftverteilung beim Prägen

+ Verhaken sich nicht im Geldbeutel

+ Hose, Geld- oder Lederbeutel gehen durch Kanten nicht kaputt

+ Bieten perfekte Abbildungsmöglichkeiten

+ Keine Verletzungsgefahr durch scharfe Kanten

+ Lassen sich besser Stapeln

+ Materialverlust fällt eher auf

– Es ist aufwendiger einen runden Rohling (Schrötling) herzustellen

 

Eckige Form

+ weniger Materialverlust bei der Herstellung

+ Einfache Herstellung des Schrötlings

+ Passen besser nebeneinander

– hohe Verletzungsgefahr

– Kanten würden im täglichen Gebrauch leicht abbrechen

– Schwieriger zu Prägen

– Würden in Automaten heutzutage nicht funktionieren




Fazit

Betrachtet man alle Gesichtspunkte kann man Abschließend sagen, dass es den einen Grund für die runde Form nicht gab. Vielmehr hat sich im Lauf der Geschichte die runde Münzform als die geeignetste durchgesetzt. Demzufolge spielten Aspekte wie Herstellung, Gestaltung, Ästhetik und Handhabung wesentliche Rollen. Denn wie heißt es in Russland so schön: Der Rubel soll rollen!